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Eremitage Sankt Petersburg: Meisterwerke & Besuchstipps

Die Eremitage in Sankt Petersburg ist kein Museum für einen Nachmittag, sondern ein Komplex mit drei Millionen Objekten, der unvorbereitete Besucher überfordert. Wie Sie die Highlights sehen, ohne erschöpft aufzugeben – und welcher Irrtum sich hartnäckig hält.

Eremitage Sankt Petersburg: Meisterwerke & Besuchstipps

Eremitage Sankt Petersburg: ein Museum, das Sie unterschätzen

Sechs Stunden. So lange bin ich beim ersten Besuch durch die Säle gelaufen, bis mir die Füße brannten und ich immer noch das Gefühl hatte, kaum etwas gesehen zu haben. Das ist die Eremitage in Sankt Petersburg: kein Museum, das man an einem Nachmittag „macht", sondern ein Komplex, der einen schlicht überfordert, wenn man unvorbereitet hineinläuft.

Und genau deshalb schreibe ich diesen Text. Denn die meisten Besucher kommen mit einer vagen Vorstellung von „großes Kunstmuseum an der Newa" an und verlassen das Gebäude nach drei Stunden erschöpft, ohne die eigentlichen Highlights gesehen zu haben. Das lässt sich vermeiden.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Eremitage umfasst mehrere Gebäude, nicht nur den Winterpalast. Wer das nicht weiß, verliert wertvolle Zeit mit Herumlaufen.
  • Die Sammlung zählt rund drei Millionen Objekte, aber nur ein Bruchteil ist dauerhaft ausgestellt.
  • Karten sollten Sie online und zeitgebunden kaufen. Der Andrang an der Kasse ist an normalen Wochentagen schon happig.
  • Für einen ersten Besuch lohnt sich eine bewusste Auswahl statt eines Rundumschlags.
  • Das Bernsteinzimmer ist nicht in der Eremitage. Dieser Irrtum hält sich hartnäckig.

Was ist die Eremitage eigentlich – und was nicht?

Die Eremitage ist eines der größten Kunstmuseen der Welt, gelegen im historischen Zentrum von Sankt Petersburg direkt an der Newa. So viel steht in jedem Reiseführer. Was dort meist fehlt: Die Eremitage ist kein einzelnes Gebäude, sondern ein ganzer Komplex aus mehreren Bauten, die baulich miteinander verbunden sind.

Der bekannteste Teil ist der Winterpalast, die ehemalige Residenz der russischen Zaren. Daneben gehören die Kleine Eremitage, die Alte Eremitage, die Neue Eremitage und das Eremitage-Theater dazu. Klingt nach Details, ist aber praktisch entscheidend: Sie können problemlos zwei Stunden damit verbringen, zwischen diesen Gebäuden hin und her zu laufen, ohne einen einzigen Pinselstrich gesehen zu haben.

Wie groß ist die Eremitage wirklich?

Die Zahl, die immer wieder auftaucht, lautet drei Millionen Sammlungsobjekte. Das ist keine Marketingzahl, sondern schlicht die Realität eines Zarenreiches, das über Jahrhunderte gesammelt hat. Dauerhaft ausgestellt ist davon nur ein Bruchteil, der Rest liegt in Depots.

Für Sie als Besucher heißt das: Es gibt keine realistische Chance, „alles" zu sehen. Nicht an einem Tag, nicht an drei. Wer das akzeptiert, hat einen entspannteren Besuch.

Wie viele Säle sollten Sie einplanen?

Die Ausstellungsfläche erstreckt sich über mehrere hundert Säle. Ich habe beim zweiten Besuch versucht, systematisch vorzugehen, mit Plan und Nummerierung. Das Ergebnis: Nach etwa vier Stunden war ich so gesättigt, dass ich an einem Rembrandt vorbeigelaufen bin, ohne ihn richtig wahrzunehmen. Kunstmüdigkeit ist real.

Mein Rat aus dieser Erfahrung: maximal drei bis vier Schwerpunkte pro Besuch.

Eremitage Sankt Petersburg Bilder: welche Werke wirklich zählen

Die Sammlung spannt sich von der Antike über westeuropäische Malerei bis zur Moderne. Besonders stark vertreten sind holländische und flämische Meister sowie die französische Malerei. Für viele Besucher ist das der eigentliche Grund, überhaupt zu kommen.

Eremitage Sankt Petersburg Bilder: welche Werke wirklich zählen

Welche Bilder sollten Sie vormerken?

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit ehrlicher Einschätzung dessen, was hängen bleibt:

  • Rembrandt, „Die Rückkehr des verlorenen Sohnes" – das Bild, an dem ich am längsten gestanden habe
  • Werke von Matisse und Picasso in den oberen Etagen
  • Die holländischen Stillleben, oft übersehen, aber handwerklich beeindruckend
  • Antikensammlung im Erdgeschoss, wenn Sie eine Pause von der Malerei brauchen

Ehrlich gesagt: Ich hatte mir vorher eine Liste gemacht und sie nach zwei Stunden komplett verworfen. Das ist völlig normal. Lassen Sie sich treiben, aber behalten Sie zwei, drei Werke als Anker im Kopf.

Eremitage deutsch: gibt es Führungen in deutscher Sprache?

Deutschsprachige Führungen werden angeboten, allerdings deutlich seltener als englische oder russische. Wenn Sie darauf angewiesen sind, lohnt sich eine frühzeitige Anfrage – spontan vor Ort klappt es oft nicht.

Meine persönliche Erfahrung: Ich habe einmal eine englische Führung gemacht und danach allein weitergeguckt. Die Mischung war für mich optimal. Reine Führungen durch so ein Haus sind anstrengend, weil man ständig in Bewegung bleibt.

Das Bernsteinzimmer: ein verbreiteter Irrtum

Immer wieder höre ich die Frage, ob das Bernsteinzimmer in der Eremitage zu sehen ist. Die Antwort lautet: Nein.

Das berühmte Bernsteinzimmer befindet sich im Katharinenpalast in Zarskoje Selo, etwa 25 Kilometer südlich von Sankt Petersburg. Es ist ein eigenes Ausflugsziel und nicht Teil der Eremitage. Wer beides an einem Tag plant, unterschätzt die Fahrtzeiten erheblich.

Kurz gesagt: Eremitage und Bernsteinzimmer sind zwei getrennte Unternehmungen.

Eremitage Sankt Petersburg Katzen: was hat es damit auf sich?

Ja, es gibt sie tatsächlich: Katzen, die im Museum leben. Sie halten seit Generationen die Keller des Winterpalastes mäusefrei. Offiziell gehört das zu den Aufgaben des Hauses, und es gibt sogar Mitarbeiter, die sich um die Tiere kümmern.

Eremitage Sankt Petersburg Katzen: was hat es damit auf sich?

Beim Besuch werden Sie die Katzen allerdings kaum sehen, weil sie sich in den nicht öffentlichen Bereichen aufhalten. Wer mit der Erwartung anreist, zwischen den Bildern Katzen zu streicheln, wird enttäuscht. Es ist eher eine schöne Randnotiz als ein Besuchsmotiv.

Was kostet der Besuch – und wie kommen Sie hin?

Die Eintrittspreise variieren je nach Gebäude und Sonderausstellung. Für Ausländer gelten oft höhere Tarife als für russische Staatsangehörige. Stand meines letzten Besuchs lag der reguläre Eintritt im Bereich von umgerechnet rund 20 bis 25 Euro, Kinder und Studierende zahlen ermäßigt.

Planen Sie unbedingt Zeit für die Sicherheitskontrolle ein. Der Eingang zieht sich, besonders vormittags.

Anreise mit der Metro

Die nächsten Stationen sind Admiralteiskaja und Newski Prospekt. Von dort sind es jeweils etwa zehn Minuten zu Fuß. Ich empfehle die Variante über den Newski Prospekt, weil man dabei schon ein Stück der Stadt sieht, die den Besuch ohnehin lohnt.

Wie Sie den Besuch sinnvoll strukturieren

Ein Vergleich der beiden gängigen Besuchsstrategien, basierend auf dem, was ich selbst ausprobiert habe:

Wie Sie den Besuch sinnvoll strukturieren
Strategie Vorteil Nachteil Empfehlung für
Geführte Tour Orientierung, Hintergrundwissen Tempo fremdbestimmt, wenig Flexibilität Erstbesucher ohne Vorwissen
Freies Erkunden Eigenes Tempo, längere Verweildauer möglich Gefahr, sich zu verlieren Besucher mit konkreten Interessen

Für meinen dritten Besuch habe ich eine Mischung gewählt: morgens eine kurze Einführung, danach allein durch die holländischen Säle. Das war die beste Entscheidung.

Lohnt sich ein zweiter Besuch?

Unbedingt. Beim ersten Mal sehen Sie vielleicht zehn Prozent dessen, was Sie sehen wollten. Beim zweiten Besuch wissen Sie, wo Sie direkt hingehen können.

Was bleibt

Die Eremitage ist kein Ort, den man abhakt. Sie ist eher ein Raum, in den man immer wieder zurückkehrt, wenn man in Sankt Petersburg ist, und sei es nur für zwei Stunden in einem einzigen Saal. Was mich bis heute beschäftigt: dass ein Museum dieser Größe aus einer privaten Sammlung einer einzigen Herrscherin entstanden ist, die einfach angefangen hat, Bilder zu kaufen. Aus Neugier. Ohne Plan, was daraus einmal werden sollte.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum so viele Menschen wiederkommen.

Lena Meier

Lena Meier

Lena Meier ist Journalistin und berichtet schwerpunktmäßig über die Schnittstellen von Finanzen, Immobilien, Mode und Geschäft. In über zwölf Jahren hat sie unter anderem über Kapitalanlagestrategien für Privatanleger, die wirtschaftliche Entwicklung des Luxussegments sowie die Unternehmensführung in der Modebranche geschrieben. Ihre Arbeit umfasst sowohl Analysen zu Immobilienmärkten als auch wirtschaftspolitische Einordnungen von Geschäftsmodellen im Textilsektor.

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