Der Klassiker: Sie buchen im Februar einen Flug nach Maspalomas, packen drei Pullover ein – und landen bei 23 Grad und strahlendem Sonnenschein. Während Freunde daheim gegen den Schneeregen ankämpfen. Genau das ist der Grund, warum die Frage nach der besten Reisezeit auf Gran Canaria eigentlich die falsche Frage ist. Die richtige lautet: beste Reisezeit wofür?
Denn Gran Canaria hat nicht eine Saison. Es hat mindestens drei – je nachdem, ob Sie im Süden am Strand liegen, im Norden durch Nebel laufen oder in den Bergen wandern wollen. Ich habe auf der Insel inzwischen Monate aus allen Jahreszeiten durch, von Januar bis Oktober, und dabei eine ziemlich klare Meinung entwickelt, die den meisten Wetterberichten widerspricht.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Süden (Maspalomas, Playa del Inglés, Puerto Rico) ist fast ganzjährig badetauglich – der Norden um Las Palmas nicht.
- Die beste Reisezeit Gran Canaria hängt vom Ziel ab: Baden April bis Oktober, Wandern März bis Mai und September bis November.
- Zwischen Maspalomas und Teror liegen an einem durchschnittlichen Wintertag real oft 8 bis 12 Grad Unterschied und ein völlig anderes Wetter.
- Die günstigsten Preise finden Sie außerhalb der Schulferien, vor allem Ende Mai und in der ersten Dezemberhälfte.
- Juli und August bringen die stärksten Alisios-Winde – im Süden angenehm, im Norden ungemütlich.
- Die Calima (Saharastaub) trifft die Insel typischerweise im Winter und frühen Frühjahr, nicht im Hochsommer.
Die beste Reisezeit für Gran Canaria? Kommt drauf an, wo Sie wohnen
Das ist der Punkt, über den kaum jemand schreibt, obwohl er alles entscheidet. Gran Canaria hat eine Gebirgskette quer durch die Inselmitte, die sich wie eine Wetterscheide verhält. Der Norden liegt im Passatwind, der feuchte Luft vom Atlantik an die Berge drückt. Der Süden liegt im Windschatten und ist deshalb trocken, sonnig und warm.
Konkret, aus meiner eigenen Erfahrung: Ich saß im Februar in Maspalomas bei 24 Grad am Pool. Zwei Tage später bin ich nach Las Palmas gefahren – dasselbe Datum, 17 Grad, Nieselregen, grauer Himmel. Kein Witz. Und in Teror oben in den Bergen war ich an einem Morgen im März in der Wolke, während unten in San Bartolomé die Sonne brannte.
Der Kontrast in Zahlen
| Wert (typischer Wintertag) | Süden (Maspalomas) | Norden (Las Palmas) |
|---|---|---|
| Höchsttemperatur | 22–24 °C | 17–19 °C |
| Sonnenschein | 6–7 Stunden | 2–3 Stunden |
| Niederschlag | selten | häufig, oft Sprühregen |
| Wassertemperatur | 19–20 °C | 18–19 °C |
| Gefühlte Eignung zum Baden | ja, für Hartgesottene | eher nein |
Diese Tabelle ist der Grund, warum ich jedem, der mir eine E-Mail schreibt, zuerst eine Frage stelle: Wollen Sie baden oder wandern? Wer baden will, gehört in den Süden – ganzjährig. Wer wandern will, sollte sich vom Süden lösen, denn die schönsten Touren liegen im grünen, kühleren Inselinneren und im Norden.
Gran Canaria Klimatabelle: der Jahresverlauf im Süden
Was die Standardtabellen im Netz gern auslassen: die Wassertemperatur. Für Badeurlauber ist sie wichtiger als die Lufttemperatur. Und sie reagiert träge – sie hinkt der Luft um etwa zwei Monate hinterher. Deshalb ist der wärmste Bademonat nicht Juli, sondern eher September und Oktober.
| Monat | Luft (max/min, Süden) | Wasser | Regentage | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 21 / 15 °C | 19 °C | 2–3 | Beste Monat für Wanderer |
| Februar | 21 / 15 °C | 19 °C | 2–3 | Hauptsaison, höchste Preise |
| März | 23 / 16 °C | 19 °C | 1–2 | Wetter stabilisiert sich |
| April | 24 / 17 °C | 19–20 °C | 1 | Mein Favorit |
| Mai | 25 / 18 °C | 20 °C | 0–1 | Günstig, herrlich |
| Juni | 26 / 19 °C | 21 °C | 0 | Wird voller |
| Juli | 28 / 21 °C | 22 °C | 0 | Starke Alisios |
| August | 29 / 22 °C | 23 °C | 0 | Hauptferienzeit |
| September | 28 / 22 °C | 24 °C | 0–1 | Warmes Wasser |
| Oktober | 26 / 21 °C | 23 °C | 1–2 | Sehr angenehm |
| November | 24 / 19 °C | 22 °C | 2 | Ruhig, wechselhaft |
| Dezember | 22 / 16 °C | 20 °C | 3 | Festtagsansturm |
Die Werte schwanken von Jahr zu Jahr, versteht sich. Aber die Grundmelodie stimmt: Es gibt keinen Monat, in dem Sie im Süden frieren müssten. Und es gibt kaum einen Monat, in dem Sie im Norden sicher mit Sonne rechnen können.
Temperaturen Gran Canaria Jahresverlauf: warum der Süden so stabil ist
Der Grund für die Stabilität ist der Windschatten. Das Gebirge fängt die feuchte Passatluft ab, im Lee sinkt sie ab, erwärmt sich und trocknet aus. Das nennt sich Föhn-Effekt, und er erklärt, warum Maspalomas an einem trüben Februartag trotzdem blauen Himmel haben kann. Es erklärt auch, warum die Klimatabelle für Maspalomas so viel freundlicher aussieht als die für Las Palmas – es sind zwei verschiedene Klimazonen auf einer einzigen Insel.
Gran Canaria im März, November oder Mai: Erfahrungen aus erster Hand
Das sind die drei Monate, zu denen ich am häufigsten gefragt werde. Also der Reihe nach, mit ehrlichen Einschätzungen statt Marketing-Sprache.
Gran Canaria im März Erfahrungen
Der März ist der Umkehrpunkt. Die ersten zwei Wochen können noch echte Wintertage sein – ich hatte Anfang März schon einen Tag mit 16 Grad und Regen in Maspalomas, die Einheimischen trugen Daunenjacken, ich kam mir mit T-Shirt wie der einzige Optimist vor. Ab der Monatsmitte dreht das Wetter fast immer. Die Wassertemperatur ist mit 19 Grad allerdings noch frisch; mehr als zehn Minuten im Meer ist für die meisten ein Akt der Selbstüberwindung.
Was den März trotzdem stark macht: die Insel ist grün. Der Winterregen hat die Hänge in ein sattes Grün getaucht, wie Sie es im August nirgends finden. Für Wanderer ist das ein echtes Argument.
Gran Canaria im November Erfahrungen
Der November lebt von einem Vorteil: Das Meer ist noch warm. Mit 22 Grad Wassertemperatur und etwa 24 Grad Luft ist Baden angenehmer als im Juni, wenn der Wind bläst. Die Kehrseite: Es wird wechselhafter. Ich hatte schon November, die waren durchgehend sonnig, und ich hatte einen, da zog alle zwei Tage eine Wolkenfront durch – im Norden blieb sie hängen, im Süden tropfte nur ein bisschen. Der November ist der ehrlichste Monat: Er verspricht wenig und liefert oft mehr, als Sie erwarten.
Gran Canaria Wetter Mai Erfahrungen
Meine persönliche Empfehlung. Der Mai hat alles, was April gut macht, plus wärmeres Wasser (20 Grad) und weniger Wind. Die Preise liegen noch deutlich unter der Hochsaison. Ich habe im Mai eine Woche für zwei Personen im Süden gehabt, die weniger gekostet hat als vier Tage im August. Und das Wetter war besser. Nur der Inselnorden zeigte sich im Mai von seiner launischen Seite – Las Palmas blieb grau, während wir in Puerto Rico am Strand lagen.
Reisezeit Gran Canaria September: der unterschätzte Monat
Der September hat ein Image-Problem. Er gilt als „Nachsaison“ – dabei ist er meteorologisch der Höhepunkt. Wasser 24 Grad, Luft 28, kaum Wind, kaum Regen. Was ihm fehlt, ist die Ruhe: Die Kanaren sind im September noch voll, weil die Spanier selbst Urlaub machen. Strände sind belegt, Restaurants lauter. Wer das mag, bekommt den wärmsten Badeurlaub des Jahres. Wer Ruhe will, wartet bis Ende Oktober.
Ein Detail, das viele übersehen: Die Calima – der Saharastaub – tritt meist zwischen Februar und April auf, gelegentlich im Winter. Sie bringt trockene Hitze, trübe Sicht und manchmal Temperaturen über 35 Grad. Nicht oft, aber wenn, dann verschiebt sie Ihre Wanderpläne. Eine Woche vor der Reise den Wetterbericht checken kostet nichts.
Wann ist Gran Canaria am günstigsten?
Die günstigsten Wochen sind fast immer dieselben: die zweite Maihälfte, die erste Dezemberhälfte und die Wochen zwischen den Schulferien im Januar. In diesen Fenstern zahlen Sie für Flug und Hotel oft 30 bis 40 Prozent weniger als in der Hochsaison um Weihnachten und Ostern.
Die teuersten Zeiten sind genauso vorhersehbar: Weihnachten bis Anfang Januar, die Osterwoche und die gesamte spanische Sommerferienzeit im Juli und August. Wenn Sie flexibel sind, meiden Sie diese drei Blöcke – das spart mehr als jede Suchmaschinen-Optimierung beim Buchen.
- Ende Mai: warmes Wasser, wenig Andrang
- Erste Dezemberhälfte: angenehme 22 Grad, günstige Preise
- Januar außerhalb der Ferien: beste Zeit für Wanderer
Eine Warnung noch: „günstig“ heißt auf den Kanaren nie „kalt“. Auch im günstigsten Winterzeitraum liegen die Tagestemperaturen im Süden bei mindestens 20 Grad.
Fazit: Suchen Sie keine beste Reisezeit, suchen Sie Ihre
Wenn Sie mich nach einem einzigen Monat fragen würden, den ich immer wieder buchen würde, dann Ende Mai. Gutes Wetter, warmes Meer, humane Preise, keine Ferienmassen. Aber die ehrliche Antwort bleibt: Es gibt keine objektiv beste Reisezeit für Gran Canaria. Es gibt die beste Reisezeit für Ihr Vorhaben.
Wer im Februar in Teror wandert, findet Wolken und Nebel und einen kalten Wind, den ihm in Maspalomas niemand glaubt. Wer im September in Puerto Rico badet, schwimmt in der wärmsten Suppe des Jahres. Beides ist Gran Canaria. Beides ist richtig. Die einzige echte Fehlentscheidung wäre, das Inselwetter für eines zu halten.